1. Tierfotografie

1.1 Grundlagen

Kaninchenbaby (Oryctolagus cuniculus) im Gras
Kaninchenbaby (Oryctolagus cuniculus) im Gras

Generell ist zu sagen, dass Tiere sehr schöne und vor allem interessante Motive abgeben, jedoch deren Ablichtung machnmal sehr schwierig und zeitaufwendig sein kann.

Ein wichtiger Punkt hierbei ist der Spagat das Tier einmal möglichst natürlich zu treffen, gleichzeitig darf das Bild jedoch nicht vollkommen langweilig wirken. Besonders interessant wirken Tiere während sie sich bewegen (was sie meistens ja auch zu Genüge tun), allerdings wird es hierbei wieder schwierig, ordentlich zu fokussieren und im passenden Moment abzudrücken. Hilfreich sind hier möglichst kurze Belichtungszeiten (große Zahl im Nenner, z.B. 1/500), ggf. die Serienbildfunktion und ein großer Aufnahmebereich, aber vor allem eine weit offene Blende (kleine Zahlen, z.B. 2.8), damit möglichst viel Licht auf den Chip kommt.

Dennoch gilt: Wer lange über Blendeneinstellungen, Gestaltungsfragen oder ISO-Zahlen nachdenkt, hat in der Regel schon verloren, da gerade bei den Tierfotos tolle Motive innerhalb von wenigen Sekunden schon wieder passé sein können.

1.2 Ausrüstung

  • Spiegelreflexkamera
  • Objektiv (am besten mit VR): Je nach Motivwahl  mindestens mit einer Brennweite im Telebreich zwischen 80 und 400 mm, letztere z.B. bei der Vogel-Fotografie. Ferner sollte es möglichst lichtstark sein; bei Objektiven mit geringerer Lichtstärke ist erfahrungsgemäß ein ISO-Wert von 300 - 400 einzustellen, damit der Sensor lichtempfindlicher wird.
  • Blitz: Sinnvoll bei schlechten Lichtbedingungen. Bei Objektiven mit langer Brennweite ist ein externer Blitz nötig, da sonst unschöne Schatten entstehen können, dabei darf das Tier nicht von ihm geblendet werden, was bei Seepferdchen beispielsweise zur Erblindung führt.
  • Statitv: Ist bei sehr großen Brennweiten nötig, wenn man das Objektiv ohne wackeln (trotz VR) nicht mehr richtig ruhig halten kann. Ansonsten bei geringeren Brennweiten und Vorhandenseins eines Antiverwacklers nicht nötig; ja kann ggf. sogar störend sein.
  • Geduld, Glück und genügend Speicher: In der Regel müssen einige Bilder gemacht werden bis dasjenige welche mit dem gewissen Wow-Effekt eingefangen wird.

1.3 Bildgestaltung und Planung

Wichtig bei der Wahl des Hintergrundes ist, dass dieser möglichst natürlich wirkt und nicht von unserem Hauptmotiv ablenkt, weil er zu unruhig ist (Ausnutzung der Tiefenunschärfe des Teleobjektivs!). Richtige No-Gos sind Gitterstäbe, Reflexionen der Scheibe oder Zäune vor dem Tier, weil dies nicht nur unnatürlich, sondern auch anfängerhaft und schlichtweg unschön aussieht.

 

Außerdem sollte man darauf achten, die Tiere nicht aus der Vogelperspektive, sondern möglichst auf Augenhöhe" zu fotographieren, da beispielsweise ein Kaninchenfoto von oben herab fotographiert nicht mehr als ein zufälliger Schnappschuss wirkt. Bei kleineren Tieren wie z.B. bei Singvögeln oder bei Fröschen bewirkt eine leichte Froschperspektive oft wahre Wunder.

Bei der Positionierung des Hauptmotivs gilt der Goldene Schnitt bzw. die Drittel-Regel; niemals ins direkte Zentrum des Bildes setzen.

 

Einer der wichtigesten Aspekte, auf die man achten sollte, ist die Wahl des richtigen Lichts". Ein Motiv im dunkelsten Schatten wirkt einfach nicht so toll, zumal die Augen des Tieres dann nicht einmal Reflexionen aufweisen und diese dann schlichtweg tot wirken.

Aber auch das Gegenteil, nämlich grelles Sonnenlicht bei einer gerade stehenden Mittagssonne, wirkt unvorteilhaft, da dieses einfach zu hart ist und manche Stellen überbelichtet sind, während andere Bereiche viel zu dunkel werden.

Grade im Sommer bekommt man morgens oder abends die besten Lichtverhältnisse; im Winter sind diese Unterschiede, falls wirklich mal die Sonne scheint, nicht ganz so extrem.

Vor allem bei Besuchen im Zoo eignen sich diese Zeiten auch, da die Tiere hier meist aktiver sind und sich auch die Besucherzahlen (vor allem am Wochenende) in Grenzen halten. Am interessantesten ist so ein Besuch aus fototechnischer Sicht werktags (= weniger Besucher) oder auch mal an Tagen mit schlechteren/durchwachsenen Wetterverhältnissen wie z.B. bei Schneefall, bei dem manche Tierarten richtig aufblühen können. Schöne Bilder können aber auch bei öffentlichen Fütterungen entstehen (beispielsweise bei Pinguinen oder Seehunden), weshalb es sich stets lohnt, diese Uhrzeiten im Hinterkopf zu behalten.

Chileflamingo mit Kind (Phoenicopterus chilensis) im Zoo Frankfurt
Chileflamingo mit Kind (Phoenicopterus chilensis) im Zoo Frankfurt

1.4 Gitterstäbe und Scheiben

Wie eingangs schon erwähnt, sind Gitterstäbe und Lichtreflexionen der Scheibe im Vordergrund unserer Fotos extremst unschön und dirnglich zu vermeiden, weshab hier mit einem Teleobjektiv (am effektivsten 200 mm und größer) und großer Blende mit der Zeitautomatik gearbeitet werden sollte. Wichtig dabei ist jedoch, dass sich unser Tier nicht direkt am Gitter bzw. an der Scheibe befinden darf (am besten zentral im Gehege), da wir dies sonst nicht einmal mit der besten Technik herausretuschieren können.

 

Bei Gitterstäben möglichst nah mit der Linse vorne an die Stäbe gehen und fokussieren, bei einer Scheibe sollte ein Abstand von 2-3 cm erfolgen. Enorm wichtig ist, dass wir uns eine schattige Stelle im Gitter oder eine Stelle auf der Scheibe suchen müssen, die nicht so stark reflektiert, da wir sonst die Lichtreflexionen des Käfigs (wenn auch in Form von unscharfen Schlieren) trotzdem auf dem Foto haben. Ein kleiner Trick hierbei besteht daran, dass man auch mit der Hand direkt in der unmittelbaren Nähe der Linse im einfallenden Licht einen kleinen Schatten erzeugen kann, durch den man dann durchfotographiert.

Als Ergänzug dazu sei erwähnt, dass unbedingt das Blitzlicht ausgeschaltet werden muss, da es erstens den Augen der Tiere schadet und zweitens nicht nur unser Motiv, sondern auch seine Umzäunung unnötig aufhellt und uns da selbst der beste Schatten nichts mehr weiter hilft.

Eine wichtige Ergänzug bei der Fotographie bei Scheiben wäre noch, dass es sich manchmal lohnt, die ISO-Zahl etwas anzuheben und bei Bedarf mit einem Mikrofasertuch den groben Schmutz von der Außenseite der Scheibe ein Stück weit zu entfernen. Ferner empfiehlt es sich dunkle, möglichst schwarze Kleidung zu tragen, da diese auf der Scheibe nicht so stark reflektiert wird wie ein knallrotes T-Shirt.

1.5 Wildtiere

Amselweibchen (Turdus merula)
Amselweibchen (Turdus merula)

Bei der Wildtierfotografie haben wir das gleiche Problem wie auch im Zoo, denn wir können unseren Models nicht sagen, wann und wie sie sich zu positionieren haben. Im Gegensatz zu den Zootieren sind wilde Tiere leider auch in der Lage, bei einer falschen Bewegung einfach mal zu fliehen, was die ganze Sache wirklich nicht leichter macht.

Im Vorfeld muss man sich halt bewusst werden, ob die Wildtieraufnahmen wirklich besser werden können als die im Zoo oder Tierpark, weil erstere mit einem enormen Zeitaufwand verbunden sind. Dies beinhaltet beispielsweise die Anschaffung und die Gewöhnung der Tiere an ein Fotozelt oder das Anschaffen eines Objektivs mit einer enormen Brennweite von 500 mm zur relativ einfachen (aber unhandlichen) Ablichtung von Wildvögel in Bäumen, was allerdings extreme Kosten mit sich bringt.

Eine Alternative dazu wäre die Einrichtung eines Futterplatzes für Wildvögel im Garten oder Balkon in dessen Nähe sich ein Fenster befindet, aus dem wir dann mittels Teleobjektiv fotographieren können bzw. in dessen Nähe wir unsere Kamera mit Stativ aufbauen und bei Bedarf mittels eines Fernauslösers auslösen können.

 

Ein sehr wichtiger Punkt noch zum Abschluss: Als Wildfotograf sollte man so umsichtig wie möglich vorgehen, sodass sich die Tiere nicht gestört oder bedrängt fühlen, denn deren wohl steht an erster Stelle. Was nutzt uns der klägliche Versuch eines guten Fotos, wenn z.B. die Vögel ihr Gelege verlassen und ihre Brut aufgeben.