3. Feuerfotographie

3.1 Grundlagen

Freiwillige Feuerwehr Fulda-Kohlhaus
Freiwillige Feuerwehr Fulda-Kohlhaus

Gerade im ersten Quartal des neuen Jahres werden vielerorts am Wochenende große Feuer angezündet; sei es zur Verbrennung von alten, vertrockneten Weihnachtsbäumen oder traditionell zur Vertreibung des Winters.

Neben diesen Hutzel- und Osterfeuern finden aber auch zur warmen Jahreszeit kleinere Feuer, zum Beispiel in Form von Lagerfeuern, statt, die genau wie ihre großen Pendants auch sehr schöne Motive abgeben.

Der besondere Reiz bei diesen Feueraufnahmen besteht vor allem darin, dass diese sehr stimmungsvoll auf den Betrachter wirken und die Naturgewalt Feuer ohnehin durch deren Ambivalenz zwischen Wärmespenderin und Zerstörerin eine gewisse Faszination bei den Menschen hervorruft.

3.2 Ausrüstung

  • Spiegelreflexkamera: Ist wünschenswert für optimale Ergebnisse, allerdings ist auch jede andere Kamera, die sich manuell und nicht nur über vorgegebene Steuerungselemente bedienen lässt möglich.
  • lichtstarkes Objektiv: ggf. Teleobjektiv (siehe unten)
  • Geduld, Glück und genügend Speicher: In der Regel müssen einige Bilder gemacht werden bis dasjenige welche mit dem gewissen Wow-Effekt eingefangen wird, da das Ergebnis auch von der Wetterlage z.B. durch Wind abhängig ist, sollte man etwas experimentierfreudiger sein.

Anmerkung: Durch die gewählten Verschlusszeiten und durch den vielmals sehr schlammigen Boden ist ein Stativ hier eher störend als hilfreich.

3.3 Bildgestaltung und Planung

Darth Vader zu Gast beim Hutzelfeuer?
Darth Vader zu Gast beim Hutzelfeuer?

Ein entscheidender Punkt bei der Fotografhie von Feuer ist das richtige Timing, denn für ein stimmungsvoll inszeniertes Foto sollte es draußen bereits dunkel sein, da das Feuer hier viel besser zur Geltung kommt.

Ferner ist auch der Grad des Abbrennens und die damit verbundene Helligkeit der Flammen (mehr dazu in 3.4), sowie die Rußentwicklung für das spätere Endresultat von großer Relevanz, da sich die verschiedenen Brennstadien eines Feuers (auch aus Gründen der Motivwahl) deutlich unterscheiden.

Bei Motivwahl und Bildschnitt bietet sich zum einen eine vollformatige Großansicht der Brandstelle ohne weitere Andeutung der Umgebung (z.B. hereinhängende Äste von angrenzenden Bäumen) an, was zwar das Feuer sehr stark in den Fokus rückt, jedoch hat der spätere Betrachter dann keine Möglichkeit zur genauen, räumlichen Einordnung bezüglich Größe und Ausmaß des Brandes mehr. Das bedeutet, dass wir im schlimmsten Fall beim späteren Betrachten des Fotos ein kleines Lagerfeuer nicht von einem 5 Meter großen Osterfeuer unterschieden können, was nicht nur für die Leute, die den riesigen Gehölzhaufen aufgebaut haben ärgerlich sein dürfte.

Deshalb empfiehlt es sich einzelne Personen (z.B. einen arbeitenden Feuerwehrmann) oder sogar eine kleine Menschenmenge (z.B. die Besucher des Spektakels) im Vordergrund zu fokussieren, sodass sich deren Silhouette scharf vom unscharfen Hintergrund abhebt und nun auch die Größe des Feuers durch den geschaffenen Bezugspunkt in Relation gesetzt werden kann. Hierbei ist aber sehr wichtig, dass auf den Wind und dessen Auswirkung auf die Flammen geachtet werden muss, denn die Silhouetten im Vordergrund verlieren vollends ihre Wirkung, wenn das Feuer im Hintergrund zur Seite geblasen wird und sich Teile von ihnen vor dem schwarzen Nachthimmel befinden. Für deren optimale Wirkung sollte deshalb immer drauf geachtet werden, dass sich die Schatten der Personen komplett vor der lodernden Flamme befinden.

Des Weiteren sollte im Fall einer (kleinen) Menschengruppe stets ein gewisser Abstand zwischen den einzelnen Personen vorliegen, da sie sonst als Gesamtheit wie ein großer, schwarzer Klotz im Bildvordergrund wirken und der Schattenriss nur noch deren Dasein als Mensch erahnen lässt.

Es lohnt sich außerdem, auch einmal direkt in das Brandnest hinein zu fokussieren (= Bildschnitt zeigt nur das Innenleben des Feuers), weil die verbrennenden Äste in der Glut oftmals sehr bizarre und äußerst interessante Formen annehmen können.

Hauptfeuer Februar 2013
Hauptfeuer Februar 2013

3.4 Kameraeinstellungen

Zunächst sollte der Autofokus ausgestellt und in den manuellen Fokus gewechselt werden, da sonst die Kamera enorme Schwierigkeiten bekommt, das Bild bei den ständig hin und her flackernden Flammen scharf zu stellen. Außerdem ist es hier im Automatikmodus fast unmöglich auf eine Person oder Menschenmenge zu fokussieren, weil die Kamera stets durch die andauernde Bewegung im Hintergrund versucht, den Fokus auf die Flammen zu legen.

Beim manuellen Fokussieren lohnt es sich also als Fixpunkt den Schattenriss der Menschen(menge) zu wählen, wobei als kleiner Tipp noch angemerkt sein soll, dass das Fokussieren um einiges erleichtert wird, wenn man sich das Motiv auf den Kamerabildschirm anzeigen zu lässt (anstelle oben im Sucher) und dann mit der + -Taste soweit an das Bild heranscrollt, bis auch die kleinsten Details fehlerlos scharf gestellt werden können.

 

Ein sehr wichtiger Punkt ist, dass der Blitz vorher unbedingt ausgestellt werden sollte, da die Kamera ansonsten die Leute im Vordergrund hell blitzt und die Feueratmosphäre so verloren ginge.

 

Bei der Wahl des richtigen Modus sollte M dem Szenenmodus „Kerzenschein“ vorgezogen werden, da dieser Automatikmodus nicht für Großfeuer, sondern für kleinere Lichter wie zum Beispiel die von Kerzen bestimmt ist und das Ergebnis in diesem Fall dann doch stark ausbaufähig erscheint.

Die Einstellungen im manuellen Modus M hängen jedoch wieder von der Helligkeit des Feuers ab. So sollte bei relativ lichtschwachen Flammen ein ISO-Wert von 1000 gewählt werden, während ISO 800 in den meisten Fällen ohne Bildrauschen funktioniert.

Bei der Blende empfiehlt sich 4 (also relativ weite Öffnung), um genügend Licht auf den Sensorchip zu bekommen. Bei der Zeit muss experimentiert werden: Zum einen wie hell die Flamme bei einer kürzeren Belichtungszeit noch ist und zum anderen , ob man eher Dynamik (etwas längere Belichtungszeiten) oder eingefrorene Flammen (etwas kürzere Belichtungszeiten) im späteren Foto darstellen möchte. Tendenziell liegen diese Belichtungszeiten zwischen 1/60 s und 1/250 s, für optimale Ergebnisse muss man sich hier wirklich den Ortsgegebenheiten anpassen.

Ein Teleobjektiv kann insofern von Vorteil sein, dass es die Motive (z.B. Menschen) enger zusammen zieht und das Feuer damit noch etwas mächtiger wirkt. Ferner ist es nicht ratsam, sich zu nah an die heiße Glut zustellen: Mit einem Teleobjektiv ist es aber dennoch möglich, aus entsprechender Entfernung schöne Ergebnisse aus dem Glutnest abzulichten.

 

Zum Schluss möchte ich noch einmal die Verwendung der RAW/ NEF- Funktion der Kamera nahe legen, weil vielmals auch die besten Aufnahmen bei der Bearbeitung am Computer noch einmal enorm verbessert werden können.

Hutzelfeuer Fulda-Kohlhaus: Ein fast 6 m hoher Flammenberg
Hutzelfeuer Fulda-Kohlhaus: Ein fast 6 m hoher Flammenberg